Mit Beratung und Förderung ins Studium starten!

Mit Beratung und Förderung ins Studium starten!

Abiturienten aus Nicht-Akademiker-Familien studieren immer noch seltener – Die Berufsberatung unterstützt bei der Entscheidung

Ist das Abitur nach 12 oder 13 langen Jahren Schule endlich geschafft, scheinen jungen Absolventen alle Möglichkeiten offenzustehen. Die Allgemeine Hochschulreife ist die Eintrittskarte ins Studium, das erwiesenermaßen zumeist in ein erfolgreiches Berufsleben mit gutem Gehalt und entsprechendem Status mündet*. Aber wählen wirklich alle ambitionierten Abiturienten, gleich welcher Herkunft, am Ende diesen „goldenen Weg“?

Laut des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) hat zwar in den vergangenen 20 Jahren ein massiver Anstieg der Abiturienten in Deutschland von 28 auf 40 Prozent stattgefunden, aber tatsächlich sind es oft junge Leute aus Nicht-Akademiker-Familien, die immer noch vor einem Studium zurückschrecken. Kaum zu glauben in einer Zeit, in der Chancengleichheit und freie Berufswahl eigentlich selbstverständlich erscheinen.

Wie sieht die Bildungsentscheidung von jungen Absolventen konkret aus, und wie ist ihr familiärer Bildungshintergrund? 63 Prozent der Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs 2018 planten ein Studium. 23 Prozent hatten vor, eine Ausbildung zu beginnen, und der Rest wollte erst einmal ein Überbrückungsjahr einlegen.

Abiturienten aus einem nicht-akademischen Elternhaus entschieden sich schließlich vermehrt für eine Ausbildung (29 Prozent). Bei denjenigen mit mindestens einem akademischen Elternteil waren es nur 18 Prozent. Das geht aus Daten des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW Brief 05/2019) hervor.

Die soziale Herkunft, die oft über das Bildungsniveau des Elternhauses abgebildet wird, bestimmt häufig die Berufswahlentscheidung junger Schulabgänger. Aber warum tendieren gerade Abiturienten aus nichtakademischen Familien eher zu einer Ausbildung, trotz gutem Abitur? Auch bei gleichen Noten wie Mitschüler aus bildungshöheren Familien beurteilen sie ihre Erfolgschancen oftmals schlechter, überschätzen die Kosten eines Studiums und sind schlechter über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten informiert.

Damit sich mehr studienwillige Jugendliche ohne akademischen Hintergrund auch tatsächlich für den Weg an die Uni entscheiden, kann einiges getan werden. Ausführliche und transparente Informationen über allgemeine berufliche Möglichkeiten und Chancen eines Studiums, aber auch ganz konkrete Beratung zu Dauer, Kosten und Voraussetzungen können helfen, Ängste und Hemmungen abzubauen.

Konkrete Hilfen bietet neben den Schulen auch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit an.  Berufsorientierungsvorträge und Infoveranstaltungen geben Antworten auf wichtige Fragen zum Studium. Darüber hinaus können sich Schülerinnen und Schüler In individuellen Einzelgesprächen mit der Berufsberatung zu ihrer Situation beraten lassen. „Wir beobachten, dass manche Schüler sich ein Studium nicht zutrauen, und ihnen vom Elternhaus geraten wird, erst einmal eine Ausbildung zu machen, um etwas Festes zu haben“, berichtet Claudia Fichtner, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Bonn. Interessanterweise ist diese Haltung stark von der Schule abhängig. „An Gymnasien mit akademischem und wohlhabendem Elternhaus dagegen ist ein Studium quasi gesetzt. Das Wort Ausbildung fällt oft gar nicht“, weiß die Beraterin, und so ist auch die Erfahrung ihrer Kollegen.

Von den Erfahrungen derer zu profitieren, die erfolgreich als Erste in der Familie studiert haben, das kann man in einem Gespräch mit einem der 6.000 Ehrenamtlichen in bundesweit 80 lokalen ArbeiterKind.de-Gruppen. Sie berichten aus eigener Erfahrung über ihren Bildungsaufstieg, ermutigen als persönliches Vorbild, und können sich natürlich besonders eventuelle Ängste und Sorgen nachvollziehen.

Weitere Hilfen bieten die inzwischen über 70 Talentscouts an 17 Hochschulen und Universitäten in mehr als 370 Schulen in Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützen talentierte Jugendliche aus Nichtakademikerfamilien auf dem Weg zu einem erfolgreichen Studium. Aktuell sind knapp 17.000 Schülerinnen und Schüler in das Programm involviert. Dabei verteilt sich das Talentscouting nahezu gleichmäßig auf die Schulformen Berufskolleg, Gesamtschule und Gymnasium.

Vielfach ist bei Absolventen aus nichtakademischen Elternhäusern noch immer der Glaube verbreitet, ein Studium sei auch zu kostenintensiv, und letztlich nicht immer erfolgversprechend. Richtig ist, dass eine gesicherte Finanzierung tatsächlich ein wesentliches Kriterium für den Studienerfolg ist.

Damit Studenten die durchschnittlich fünf Jahre Studium (Bachelor drei bis vier Jahre, und Master zusätzlich ein bis zwei Jahre) ohne Geldsorgen bewältigen können, gibt es verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten:

Ist der Elternunterhalt nicht ausreichend, oder gar nicht möglich, stellen Bafög, Stipendien und Studienkredite (Bildungs- und Studienkredit) wichtige Pfeiler bei der Studienfinanzierung dar.

Hier ein Überblick:

  • Bafög: staatliche Studienunterstützung, wenn das Elterneinkommen nicht ausreicht, Informationen geben das Bafögamt und das Studierendenwerk der Hochschule.
  • Zum WS 2021/22 beträgt der Höchstsatz 861. Es können aber auch je nach Einkommenssituation der Eltern niedrigere Beträge gezahlt werden. www.bafoeg-rechner.de, www.arbeiterkind.de, www.studis-online.de/studienfinanzierung/
  • Stipendien: Es gibt sie sowohl auf Bundesebene, als auch privat. Sie können neben Geldleistungen auch aus Kontakten, Versicherungen, Weiterbildung und Auslandsaufenthalten bestehen. Stipendiumplus.de, Stipendienlotse.de, Mystipendium.de
  • Studienkredite: kfw-Studienkredit und kfw-Bildungskredit sind verzinste Kredite, die mit dem Bafög kombinierbar sind. Auch Zweit- und Master- und Aufbaustudiengänge sind förderbar!
  • Daka-Darlehen des Landes NRW: ein zinsloses Darlehen für in Not geratene Studierende, die in Nordrhein-Westfalen studieren. www.daka-darlehen.de

Eine Studie des Studierendenwerks hat herausgefunden, dass sich die meisten Studenten in der Regel aus drei Quellen finanzieren: Elternunterhalt, Bafög und Nebenjob. (21. Sozialerhebung des Studierendenwerks 2016). Ist das Jobben in der Prüfungsphase zum Ende des Studiums nicht mehr möglich, greift zum Beispiel der Bildungskredit, eine finanzielle Leistung, die speziell für die letzte Studienphase gedacht ist. Entscheidend für die tatsächlichen Lebenshaltungskosten ist übrigens auch die Studienstadt: So kostet ein Studium in Köln, München oder Hamburg deutlich mehr, als zum Beispiel in eher unbekannten, kleineren Städten oder in den neuen Bundesländern, Stichwort Mietpreise! Eine wichtige Info noch zum Bafög: Die staatliche Studienunterstützung muss nur zur Hälfte zurückgezahlt werden, und auch erst, wenn man ein festes Einkommen hat!

Bei allen Fragen nehmen Sie bitte Kontakt zur Berufsberatung auf, und vereinbaren einen Termin unter: Bonn.Berufsberatung@arbeitsagentur.de oder 0800/4-5555-00.

*auch mit der Fachhochschulreife ist ein Studium natürlich möglich, aber in der Regel nur an Fachhochschulen.

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